Freitag, 12. April 2013

Gentechnik-Kurznachrichten

Die EU-Staaten streiten zurzeit über ein vorübergehendes Verbot von für Bienen besonders gefährlichen Spritzmitteln, den Neonikotinoiden. Mitte März kam es bei einer Abstimmung darüber nur zu einem Patt, weil sich Deutschland und Großbritannien enthielten. Um den Druck auf Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) zu erhöhen, veröffentlichte Greenpeace heute einen Report zum Thema: demnach müssten sieben Pestizide sofort aus dem Verkehr gezogen werden, um das gravierende Bienensterben zu stoppen.
Nicht nur die drei Neonikotinoide (Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam), die sogar die meist recht unkritische EU-Lebensmittelbehörde als Gefahr für Bienen einstuft, müssten nach Ansicht von Greenpeace verboten werden. Auch vier weitere Beizmittel, unter anderem von Bayer und BASF, stellten eine Bedrohung der nützlichen Insekten dar. Bis auf eines werden alle der bienengefährdenden Substanzen auch auf deutschen Äckern und Obstbäumen eingesetzt. In manchen Teilen des Landes starben im letzten Winter bis zu 30 Prozent der Bienen, so Greenpeace. Die Chemikalien führen teils direkt zum Tod, teils schwächen sie die Tiere und machen sie anfällig für Parasiten und Krankheiten.
„Die Ergebnisse unserer Studie sind eindeutig und dürfen von der Politik nicht länger ignoriert werden“, erklärte Dirk Zimmermann, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. „Die Interessen der Chemieindustrie dürfen nicht länger Vorrang vor dem Schutz von Bienen und der Landwirtschaft haben.“ Die Europäische Kommission hatte Ende Januar vorgeschlagen, die Anwendung der Neonikotinoide bei Pflanzen zu untersagen, die für Bienen besonders attraktiv sind. Agrochemie-Unternehmen wie Bayer und Syngenta wehren sich vehement gegen ein solches Verbot und fordern weitere Studien zur Sicherheit der Pflanzenschutzmittel. Agrarministerin Aigner entschied sich bei der Abstimmung in einem EU-Ausschuss letztlich für eine Enthaltung – das Verbot konnte damit nicht verabschiedet werden. „Frau Aigner hat lange genug die Notwendigkeit eines dringend gebotenen Kurswechsels in der Landwirtschaft ignoriert. Die dramatische Dimension des Bienensterbens sollte ihr endgültig Anlass zum Umdenken geben“, forderte Zimmermann.

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