Donnerstag, 4. Juni 2015

Wusstet ihr das schon?

Bundesprüfer warnen vor Zucht-Fischen

Rund 15 Kilogramm Fisch verzehrt jeder Bürger pro Jahr, Tendenz steigend. Doch angesichts neuer Erkenntnisse der Bundesregierung dürfte vielen der Appetit vergehen. Die Zahl der mit antimikrobiellen Medikamenten behandelten Fische soll alarmierend sein.

Der Bundesregierung liegen einem "Spiegel"-Bericht zufolge alarmierende Zahlen über antimikrobielle Medikamente in Fisch- und Krustentierprodukten aus Zuchtbetrieben vor. Bei Untersuchungen im Rahmen des Europäischen Schnellwarnsystems für Lebensmittel meldeten die Prüfer des Bundes in 183 Fällen Nachweise von pharmakologisch wirksamen Stoffen, wie das Magazin in seiner neuen Ausgabe berichtet. Überwiegend handelte es sich demnach um Rückstände der Fisch-Arznei Malachitgrün, die im Verdacht steht, Krebs zu erregen und Erbgut zu schädigen. Das Antiparasitikum Malachitgrün darf bei Speisefischen nicht als Arzneimittel angewendet werden.

Zudem seien Abbauprodukten verschiedener Antibiotika und Antiseptika nachgewiesen worden. Bei Krustentieren meldete Deutschland dem Bericht zufolge 306 Mal den Fund solcher Abbauprodukte. Die Daten stammten aus Untersuchungen von Lachs, Forellen oder Shrimps aus Aquakulturen im Zeitraum von 2005 bis Ende März dieses Jahres. Bei sechs Prozent aller Stichproben fanden die Kontrolleure demnach Arzneimittel. Aus welchen Betrieben die belasteten Proben im Einzelnen stammten, könne das Bundeslandwirtschaftsministerium nicht sagen, berichtete das Magazin.
Für den Grünen-Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer sind die Ergebnisse ein deutlicher Hinweis darauf, dass in der Fischzucht Medikamente - im Falle von Malachitgrün sogar illegal - ins Futter gemischt werden. "Dieser Masseneinsatz von Arzneien sorgt für Resistenzen und gefährdet die Gesundheit von Menschen", sagte Krischer dem "Spiegel".
Quelle: n-tv.de


Bisphenol A wirkt generationsübergreifend

Mit unseren Plastikabfällen gelangt auch die Chemikalie Bisphenol A in die Gewässer.
Wie sich jetzt zeigt, stört die hormonähnlich wirkende Substanz nicht nur direkt die Fortpflanzung einiger Wasserorganismen. Bei manchen Fischen macht sich der Schaden sogar erst nach mehreren Generationen bemerkbar – eine Folge, die gängige Tests nicht erfassen.


Unsere Flüsse und Seen ersticken an Mikroplastik und Kunststoffabfällen: In der Donau schwimmen mit 4,8 Gramm pro 1.000 Kubikmeter Wasser bereits mehr Plastikpartikel als Fischlarven umher, wie Forscher vor Kurzem feststellten. Im Genfer See finden sich ebenfalls in nahezu jeder Wasserprobe Polystyrol-Kügelchen, Mikroplastik und andere Partikel. An diesen Kunststoffresten können Fische und andere Wasserorganismen nicht nur ersticken oder sich tödliche Verstopfungen ihres Darmtracks zuziehen – mit dem Plastik gelangen auch giftige Chemikalien in das Wasser.

Eine der in vielen Kunststoffteilen präsenten Zusätze ist das Bisphenol A (BPA). Diese Substanz gehört zu den sogenannten endokrinen Disruptoren – sie zeigt in Organismen hormonähnliche Wirkung und kann so Stoffwechsel und Fortpflanzung stören. Beim Menschen gibt es Hinweise darauf, dass BPA Übergewicht und Diabetes fördern könnte und möglicherweise sogar neurologische Veränderungen bei Ungeborenen verursacht. Die EU hat im Jahr 2010 BPA in Babyschnullern und -Fläschchen mit BPA verboten, in unzähligen anderen Plastikgegenständen darf die Chemikalie aber noch enthalten sein.

Mit unseren Abwässern und Abfällen gelangt die Chemikalie zunehmend auch in die Umwelt. Schon jetzt zeigen Messungen, dass in vielen Gewässer bereits Bisphenol A nachweisbar ist. Das hat auch für die Wasserorganismen Folgen: Es gibt Hinweise darauf, dass das Bisphenol A bei Tieren zu Unfruchtbarkeit und Verweiblichung der Männchen führt. Einige Fischarten beginnen unter dem Einfluss der Chemikalie, auch artfremde Partner anzubalzen, wie Studien ergaben.

Jetzt haben Don Tillitt vom US Geological Survey und seine Kollegen in Versuchen mit Japanischen Reisfischen (Oryzias latipes) eine weitere, verborgene Wirkung des BPA aufgespürt: Werden die Fische als Larven eine Woche lang geringen Mengen von Bisphenol A ausgesetzt, dann wachsen sie zunächst scheinbar völlig normal heran. Hält man sie und später ihre Nachkommen dann wieder in ganz normalem sauberen Wasser, treten jedoch Spätfolgen zutage: Bei den Enkeln und Urenkeln der mit BPA belasteten Fische sinkt die Fortpflanzungsrate deutlich.

"Wir haben eine 30-prozentigen Abnahme der Reproduktionsrate nach zwei Generationen und eine 20-prozentige nach drei Generationen festgestellt", berichtet Koautor Ramji Bhandari. "Das könnte bedeuten, dass die Population der Fische noch Generationen später die Folgen dieser Exposition spürt." Da höchstwahrscheinlich auch andere Fischarten so reagieren, könnte dies zum langfristigen Rückgang der Populationen in vielen Gebieten führen.

Dieses Ergebnis ist auch deshalb bedeutsam, weil viele toxikologische Tests solche Langzeitfolgen nicht erfassen. Ist an den getesteten Tieren kein Schaden erkennbar, gilt eine Umweltchemikalie schnell als unbedenklich. Dass die eigentlichen Konsequenzen erst mehrere Generationen später sichtbar werden, wird dabei nicht erfasst.

"Unsere Studie zeigt: Selbst wenn endokrine Disruptoren die exponierten Fische nicht zu beeinträchtigen scheinen, können sie sehr wohl zukünftige Generationen negativ beeinflussen", sagt Bhandari. Er und seine Kollegen schließen nicht aus, dass dies auch auf den Menschen übertragbar ist. Sie rufen ihre Kollegen nun zu weiteren Studien auf, um die generationsübergreifenden Folgen der BPA-Belastung auch in wilden Fischpopulationen und bei anderen Organismen genauer zu untersuchen.
Quelle: natur.de


Streusalz verformt Schmetterlinge

Pflanzen reagieren empfindlich auf Streusalz. Und meistens bekommt es ihnen nicht gut. Doch die Salze entlang unserer Straßen zeigen auch bei Schmetterlingen eine unvorhergesehene Wirkung: Ihre Physis verändert sich - und die Sterblichkeit der Raupen steigt.

Salz ist für viele Organismen unverzichtbar: Ohne Natrium, einem der Bestandteile des Kochsalzes, können Nerven keine Signale übertragen und auch Muskeln arbeiten nicht richtig. Weil Salz in den meisten Lebensräumen knapp ist, suchen viele Tiere aktiv nach Salzquellen, Schmetterlinge beispielsweise landen an Pfützen, um Salze aufzunehmen.

Das vom Menschen im Winter ausgebrachte Streusalz verändert diese Situation: Entlang vieler Straßen gibt es nun ein Überangebot an Salz, sowohl im Boden als auch in den Pflanzen, die dieses über das Wasser aufnehmen und in ihren Geweben anreichern. Wenn sich Schmetterlingsraupen von den Blättern dieser Pflanzen ernähren, nehmen sie diesen Salzüberschuss auf. Emilie Snell-Rood von der University of Minnesota und ihre Kollegen haben nun untersucht, wie sich dieses menschengemachte Überangebot von Salz auf Schmetterlinge auswirkt.

Für ihre Studie sammelten die Forscher zunächst vier verschiedene Pflanzenarten, die den Raupen des Monarchfalters und anderer Schmetterlingsarten Nordamerikas als Nahrung dienen. Ein Teil stammte dabei vom Straßenrand einer Landstraße und einer von einem mindestens 100 Meter von jeder Straße entfernten Standort.

Die Wissenschaftler analysierten nun Blätter aller Pflanzen auf ihren Natriumgehalt hin. Wie sich zeigte, war der Natriumgehalt bei zwei Arten - einer Eichenart und der Gewöhnlichen Seidenpflanze (Asclepias syriaca) - am Straßenrand bis zum 30-Fachen erhöht. "Das ist aber wahrscheinlich noch ein eher konservatives Ergebnis, an Autobahnen und an Straßenrändern mit weniger sandigem Boden sind die Unterschiede sicher noch höher", betonen die Forscher.

Dann folgte der eigentliche Test mit den Schmetterlingen: Die Wissenschaftler zogen Monarchfalter-Raupen auf Seidenpflanzen vom Straßenrand und vom freien Feld auf. Schon während der Raupenzeit zeigten sich erste Unterschiede: Auf den Pflanzen vom Straßenrand überlebten weniger Raupen bis zur Puppe als auf den nicht versalzenen. Je höher der Salzgehalt war, desto mehr Raupen starben.

Noch interessanter aber waren die Differenzen, die nach dem Schlüpfen aus der Puppe bei den Schmetterlingen sichtbar wurden. Die auf den Straßenpflanzen aufgewachsenen Männchen hatten signifikant stärker ausgebildete Flugmuskeln, die Weibchen jedoch nicht. Umgekehrt bildeten die weiblichen Monarchfalter auf den salzigen Pflanzen deutlich größere Augen und Gehirne aus als normal, bei den Männchen zeigte sich dieser Effekt nicht. Der gleiche geschlechtsspezifische Effekt zeigte sich auch bei Kohlweißlingen, die auf einer künstlich mit Salz angereicherten Diät aufgezogen wurden.

"Das belegt, dass erhöhte Natriumwerte durch Streusalz das Potenzial haben, auch Schmetterlinge - und möglicherweise andere Pflanzenfresser - zu beeinflussen", konstatieren Snell-Rood und ihre Kollegen. Bis zu einer bestimmten Konzentration scheint sich dabei der Natriumüberschuss eher positiv auszuwirken. Der Mikronährstoff fördert das Muskelwachstum bei Männchen und die Entwicklung des Nervensystems bei den Weibchen. Woher dieser Geschlechtsunterschied kommt, sei aber noch unklar, erklären die Forscher. Möglicherweise sind die Gewebe bei Männchen und Weibchen unterschiedlich sensibel für den Natriumgehalt und reagieren daher jeweils verschieden.

Die Versuche zeigen aber auch, dass eine zu starke Versalzung negative Folgen hat. Die Überlebenschance der Schmetterlingsraupen sinkt. "Unsere Arbeit deckt auf, dass die menschengemachten Veränderungen der Mikronährstoffe in der Umwelt genauso wichtig und folgenreich sind wie die von Makronährstoffen wie Stickstoff oder Phosphor", betonen die Wissenschaftler. Sie halten es für sehr wahrscheinlich, dass neben Natrium auch andere von uns in die Umwelt eingebrachte Elemente Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt haben können. Diesen Effekten weiter nachzugehen, sei daher immens wichtig.
Quelle: natur.de


Kommentare:

  1. Das mit den Fischen ist wirklich schrecklich. Wieder ein Beweis dafür, das vegane Ernährung in der heutigen Zeit immer wichtiger wird.

    Das mit den Schmetterlingen ist sehr interessant.

    Vielen Dank für die ganzen Infos.

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