Freitag, 8. September 2017

Radeln macht das Leben schön

Vor 2 Jahren habe ich mein Auto verkauft und bin seitdem fast nur noch mit dem Fahrrad unterwegs (Ausnahmen sind hoher Schnee und durchgängiger Regen wie aus Eimern). 
Die Entscheidung habe ich nicht bereut - ich habe mein Auto keine Sekunde lang vermisst und liebe es jetzt noch mehr, mit meinem Rad unterwegs zu sein :-).

Für alle, die auch "umsteigen" wollen, aber nicht wissen wie oder sich nicht so recht trauen, empfehle ich die Seite: "carExit". 
Dort gibt es viele Infos, die euch den Umstieg erleichtern und die Angst davor nehmen können :-).

Mein "Liebling" :-)


Und weil es das Fahrrad schon 200 Jahre lang gibt, 
habe ich auch noch einen schönen Artikel aus der "Schrot & Korn" für euch dazu:


>>Angefangen hat alles vor 200 Jahren: Am 12. Juni 1817 unternahm Karl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn einen ersten Ausflug mit der von ihm entwickelten Laufmaschine, seiner Draisine: von Mannheim nach Schwetzingen und zurück. Das ging für damalige Verhältnisse recht zügig – schneller als eine Kutsche. Die Draisine hatte zwei Räder und wurde mit den Füßen angeschubst. Erst in  den 60er-Jahren kamen Pedale hinzu. Für mehr Geschwindigkeit wurden die Räder immer größer. Vor allem junge Männer wagten sich auf die Hochräder. Erst als ab 1879 eine Fahrradkette die Kraft von den Pedalen auf das Hinterrad übertrug, setzten sich die sichereren Niederräder durch.

Bereits zehn Jahre später, um 1890, boomte die Fahrradindustrie, produzierte mehr Räder als nachgefragt. Die Preise rutschten. Jetzt wurde das Fahrrad für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich, das Rad ein massentaugliches Transportmittel. Gleichzeitig gewann es an politischer Bedeutung: 1896 wurde in Offenbach am Main der Arbeiter-Radfahrer-Bund Solidarität gegründet, der schon bald mehrere Hunderttausend Mitglieder hatte. Er verstand sich als Teil der Arbeiterbewegung. Neben den sportlichen Aktivitäten sollten die Mitglieder füreinander einstehen.

Frauen mussten sich ihr Recht aufs Radfahren erst erkämpfen. Radeln galt als unschicklich. Es fördere die Onanie. Außerdem taugte die Mode mit Korsett und bodenlangen Röcken nicht zum Fahrradfahren. Erst musste der Hosenrock erfunden werden, das Korsett in die Rumpelkammer verschwinden. Dann avancierte das Fahrrad zum Symbol der Frauenbewegung. So jubelte die Schriftstellerin Elsbeth Förster-Meyer 1896: „Was hat man aber auch jahrelang für ein Leben geführt, man hat nicht springen, laufen, jagen dürfen, man ist Dame, Fräulein, Frau gewesen, ein Ding ohne bewegliche Gliedmaßen, aufrecht gemessen und gezirkelt in einem Schlepprock verpuppt ... eine Lebensfreude kriegt man vom Radeln! – gar nicht wieder umzubringen!“   

Mitte des 20. Jahrhunderts fuhren Radler in erster Linie zur Arbeit oder zum Einkaufen. In den 60er-Jahren kam wieder der Spaßfaktor hinzu. Als der Film Easy Rider Kult wurde, in dem die Schauspieler Peter Fonda und Dennis Hopper auf Chopper-Motorrädern durch die USA kurvten, schlug die Stunde des Bonanza-Rads: Mit hochgezogenem Lenker, Bananensattel und Schaltknüppel auf der Mittelstange war es der Traum vieler Jungs. Daraus entwickelte sich das BMX-Fahrrad, ein wendiges Rad für Wettkämpfe im Gelände, das in Deutschland Anfang der 80er-Jahre in Mode kam.

Parallel dazu wurde das Rad zunehmend zum Symbol für Konsumkritik. Als die Grünen 1983 erstmals in den Deutschen Bundestag einzogen, forderten sie Diensträder statt Dienstwagen.

In den 1990er-Jahren entstand in San Francisco die Critical-Mass-Bewegung, die mittlerweile auch in Europa erfolgreich ist: Dabei treffen sich hunderte, tausende, manchmal zehntausende Radler und fahren im Pulk durch eine Stadt. Die Demonstration soll zeigen, dass Radler Teil des Verkehrs sind und als solche Rechte einfordern. In Budapest bei der bislang größten Critical-Mass-Demonstration 2013 waren circa 100 000 Radfahrer unterwegs. Bei sogenannten Naked Bike Rides fahren die Teilnehmer mehr oder weniger nackt. Das soll zusätzlich auf die hohe Verletzlichkeit der Radler aufmerksam machen.

Ruhiger, fast familiär, geht es bei den Bikekitchens zu. Im Prinzip sind das Fahrradwerkstätten. Das Besondere daran: Hier repariert jeder sein Fahrrad selbst, bei Bedarf unter Anleitung. Auf der Website der Augsburger Bikekitchen etwa heißt es: „Wir sind ein Team aus ehrenamtlichen Fahrradverrückten, die Augsburg helfen wollen, seine Räder wieder flott zu kriegen. Bei uns darf jeder mitmachen: Egal ob jung oder alt, männlich oder weiblich, deutsch oder international, mit Behinderung oder ohne – uns eint die Liebe zu Fahrrädern, die Lust am Schrauben und Tüfteln und die Freude an Selbstgekochtem.“ Julia Bencker von der Augsburger Bikekitchen erzählt, je nach Wetter seien 20 bis 80 Menschen in der Werkstatt. Die häufigsten Probleme: „Platte Reifen, Schaltung neu einstellen, Bremsen warten, Licht reparieren.“ Es werden Workshops angeboten, etwa wie man eine Gangschaltung zerlegt und wieder zusammensetzt. Und die Grundidee sieht auch gemeinsames Kochen vor, daher der Name. Der Speiseplan ist abwechslungsreich. In Augsburg ist die Vorgabe: Vegetarisch muss es sein.

Viele Bikekitchens in Deutschland haben sich der Integration angenommen. Einige bieten spezielle Kurse für Flüchtlinge an, zum Teil inklusive Fahrrad, und versuchen so, beim Ankommen zu helfen. Die Augsburger Veranstalter machen das anders. „Flüchtlinge kommen auch so gerne zu uns und machen derzeit etwa 60 Prozent unserer Gäste aus“, sagt Bencker. Außerdem stammen zwei Leute aus dem Team aus Syrien und Afghanistan und bringen viel Know-how mit.

Manche Bikekitchens bieten Kurse speziell für Frauen an. In Augsburg finden alle Veranstaltungen gemischt statt. Bencker hat dabei beobachtet, dass bei den freiwilligen Helfern oft ein Gentleman-Impuls entsteht. „Ich muss mich immer lautstark dafür einsetzen, dass ich mein eigenes Rad gerne selbst reparieren möchte.“

Auch in der Entwicklungshilfe sind die Zweiräder angekommen. So hat die internationale Hilfsorganisation World Bicycle Relief eigens das Buffalo Fahrrad entwickelt. Stabil und stark wie ein Kaffernbüffel soll es an die schwierige Infrastruktur in Entwicklungsländern angepasst sein. Interessenten können über einen Mikrokredit solch ein Rad erwerben, oder sie erhalten es als Spende. Mit dem Fahrrad erweitert sich der Radius von Menschen, die bislang zu Fuß unterwegs waren, um das Vierfache, ihre Transportkapazität gar um den Faktor fünf. Entferntere Orte, Schulen, Krankenhäuser und Märkte befinden sich so plötzlich in Reichweite. Darüber hinaus schult World Bicycle Relief Mechaniker vor Ort, die regional kleine Werkstätten betreiben sollen.

E-Bikes, Räder mit Elektromotoren, sind ein eigener Markt geworden. Sportverbände sehen Vorteile. „Die Menschen werden neu animiert, sich zu bewegen“, sagt Stefan Winter, Ressortleiter Breitensport beim Deutschen Alpenverein. Wer früher im Tal bleiben musste, radelt jetzt mit E-Bike den Berg hoch. Der Motor gleicht Leistungsunterschiede aus. So können Rentner mit ihren Enkeln mithalten.

Sportlicher radelt es sich auf herkömmlichen, geländegängigen Mountainbikes. Noch in den 80ern spottete der Liedermacher Georg Ringsgwandl über den „Mikel mit seinem Mountainbikel“, doch der Trend, der mit der Fitness-Welle aus den USA herüberschwappte, hat sich gehalten. Mountainbikes gehören heute zu den etablierten Rädern. Und es gibt vielerlei Unterarten wie Cross Country, Four Cross, Trial, Fatbike oder Downhill.

Fahrräder können Freunde werden, das zeigen Literatur und Film. Wenn etwa die elfjährige Flavia de Luce aus den Krimis von Alan Bradley ihren boshaften Schwestern entkommen will, schwingt sie sich auf ihr treues Fahrrad und fährt los. Wenn in Geschichten ein Fahrrad wichtig ist, sind Gefühle garantiert. Im Autorenfilm „Der Junge mit dem Fahrrad“ von Jean-Pierre und Luc Dardenne sucht der Junge im Film verzweifelt seinen Vater. Mit Leib und Seele hängt er an dem Fahrrad, das der ihm einst geschenkt hat.

Ein Fahrrad ist mehr als ein Fortbewegungsmittel. Es kann uns frei, unabhängig und glücklich machen. Das bestätigt der österreichische Soziologe Roland Girtler: „Auf dem Fahrrad erlebt man sich selber als Individuum, spürt sich und das Wetter und nimmt den Wandel der Tageszeiten wahr.“ Im Auto sei das nicht so. Girtler begrüßt den Trend zu mehr Radfahren. Denn das Fahrrad rege auch zur Bescheidenheit an, schon allein, weil die Transportmöglichkeiten bei einem Einkauf eingeschränkt sind. Und sozialer sei es ohnehin. Denn der Radfahrer könne mit anderen Radlern und Fußgängern kommunizieren: „Der Kontakt zu anderen Menschen ist wieder da.“

Wussten wir es doch: Radeln macht das Leben schön. Danke Karl!


Zahlen zum staunen

Das Rad ist 200 Jahre alt

13–14 Kilometer pro Stunde erreichte Karl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn bei seinem ersten Ausflug auf dem Zweirad. Thomas Stevens legte in den Jahren 1884 bis 1886 bei seiner Erdumrundung auf dem Hochrad 17 200 Meilen zurück.

Eine Million Fahrräder jährlich produzierte die Pope Manufactoring Company im Boom der 90er-Jahre des 19. Jahrhunderts. Mehr als vier Millionen Fahrräder wurden 2016 in Deutschland verkauft. Fast ein Viertel der 2016 nach Deutschland importierten Fahrräder kommen aus Kambodscha.

1,4 Millionen Kilometer legten Radfahrer 2016 auf dem 375 Kilometer langen Radwegenetz der dänischen Hauptstadt Kopenhagen zurück.

Auf 30 Stundenkilometer beschleunigt ein E-Bike mit einem dem Transrapid abgeschauten Antrieb innerhalb weniger Sekunden.


Mehr zum Thema:

alpenvereinaktiv.com
Mehr als 6500 Radtouren, überwiegend in Europa, unterteilt in die Kategorien Radfahren, Mountainbike, Mountainbike-Transalp und Rennrad

www.fahrradklima-test.de 
Der ADFC hat untersucht, wie viel Spaß Radfahren in 539 deutschen Städten macht und eine Rangliste erstellt.

www.vcd.org
Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland fordert ein sinnvolles Miteinander aller Verkehrsteilnehmer, nach dem Motto „so wenig Auto wie möglich, so viel wie nötig“.

Hoffmann, Ulf: Fahrradreparaturen.Hoffmann, Ulf: Fahrradreparaturen. 
Reparaturen einfach selber machen. Stiftung Warentest, 2016, 352 Seiten

Sempé, Jean-Jacques: Das Geheimnis des Fahrrad­händlers. Diogenes, 2005, 112 Seiten<<


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